{"id":9508,"date":"2023-01-24T14:40:33","date_gmt":"2023-01-24T13:40:33","guid":{"rendered":"https:\/\/hbg-koeln.de\/?p=9508"},"modified":"2025-02-03T09:12:04","modified_gmt":"2025-02-03T08:12:04","slug":"paedagogik-lk-besucht-antigone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hbg-koeln.de\/?p=9508","title":{"rendered":"<b>P\u00e4dagogik LK besucht \u201eAntigone\u201c<\/b>"},"content":{"rendered":"\r\n<p><b><span data-contrast=\"auto\"><span style=\"color: #000000;\">Mit dem P\u00e4dagogik LK der Q1 in Theben &#8211;&nbsp; \u201eAntigone\u201c Im Horizont Theater<\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\" data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><em>Ein Bericht von Anny Papaphilippu&nbsp;<\/em><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Eine Holzrampe, drei Metallelemente, von der Decke herabh\u00e4ngend an groben Stricken, drei Eisenst\u00e4be und eine Schubkarre \u2013 man k\u00f6nnte meinen, wir w\u00e4ren auf einer Baustelle gelandet, doch dann geht das Licht aus und\u2026 wir sind im antiken Theben!<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p>Und damit mitten in einer doch recht prek\u00e4ren Situation: Die beiden S\u00f6hne des ungl\u00fccklichen \u00d6dipus, Eteokles und Polyneikes, haben sich im Kampf um die Stadt gegenseitig umgebracht, doch w\u00e4hrend Eteokles ruhmreich bestattet wird, verweigert Kreon, der Herrscher \u00fcber Theben, dem \u201eLandesverr\u00e4ter\u201c Polyneikes ein w\u00fcrdiges Begr\u00e4bnis &#8211; schlimmer noch: Es ist bei Todesstrafe verboten, Polyneikes zu bestatten &#8211;&nbsp; welch ein Verbot, denn nach g\u00f6ttlichem Gebot m\u00fcsste eigentlich jeder eine w\u00fcrdige Bestattung erhalten. Viel Z\u00fcndstoff also, vor allem f\u00fcr die Schwester des Eteokles, die tugendhafte Antigone, f\u00fcr die das Verbot des starrsinnigen Onkels nicht mit ihrem Gewissen zu vereinbaren ist und mit Gerechtigkeit erst recht nicht!<span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><!--moreWeiterlesen--><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Und daf\u00fcr hat Antigone gute Gr\u00fcnde: wie kann es sein, dass ein staatliches &#8211; also menschengemachtes &#8211;&nbsp; Verbot m\u00e4chtiger sein sollte als der Willen der G\u00f6tter und damit zugleich bindender als die moralische Entscheidung des Individuums? Denn das m\u00f6chte Antigone sein &#8211; selbstbestimmtes, ethisch und moralisch autonom handelndes Subjekt, nicht willenlose Sklavin irdischer Gesetze.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Und daf\u00fcr ist sie sogar bereit, zu sterben. Verzweifelt versucht ihre Schwester Ismene, Antigone zur Vernunft zu bringen. Doch vergebens\u2026hier geht es n\u00e4mlich um\u00b4s Eingemachte, um die zeitlose Frage, ob man unter bestimmten Umst\u00e4nden ethische Prinzipien \u00fcber geltende Gesetze stellen sollte, ja m\u00fcsste, wenn man sonst gegen sein Gewissen handeln w\u00fcrde?<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Eine Frage, die uns auch mehr als 2000 Jahre nach der Urauff\u00fchrung der Antigone besch\u00e4ftigt, denn sie geht uns alle an. Wie steht es denn um unsere ethischen Prinzipien? Und w\u00fcrden wir diese im Ernstfall auch gegen staatlichen Widerstand verteidigen? W\u00fcrden wir Gesetze und Konventionen brechen und die Konsequenzen daf\u00fcr tragen, um uns selbst treu zu bleiben? Und dann sind ja moralisch denken und aktiv moralisch handeln auch immer noch zweierlei\u2026. Fragen, die wir uns nicht nur im Rahmen des P\u00e4dagogikunterrichts stellen, sondern die aktuell und zeitlos sind, da sie auch die kritische Reflexion des eigenen Wertekanons beinhalten.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Und so sehen wir mit banger Sorge, wie sich die Situation in Theben zuspitzt: Antigone bestattet &#8211;&nbsp; ihrer moralischen Haltung folgend &#8211; den Bruder und muss daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen. Kreon ist nicht umzustimmen: Nicht durch die Argumente des mit Antigone verlobten Sohnes, ja nicht einmal durch die d\u00fcstere Prophezeiung des weisen Sehers Teiresias, der Kreons Bestattungsverbot explizit als Frevel bezeichnet und ihm ank\u00fcndigt, er werde den Tod der Antigone mit einem weiteren Tode bezahlen.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Und so kommt, was kommen muss: Zu sp\u00e4t erkennt Kreon seine Fehlentscheidung, zu sp\u00e4t will er die inzwischen lebendig eingemauerte Antigone befreien &#8211; unvermeidbar die Katastrophe: Antigone und ihr Verlobter Haimon haben l\u00e4ngst Selbstmord begangen; ebenso des Kreons Frau, verzweifelt \u00fcber den Verlust des Sohnes. Am Ende sind &#8211;&nbsp; wie in der Trag\u00f6die \u00fcblich &#8211; alle tot und Kreon bleibt allein zur\u00fcck, wahnsinnig vor Verzweiflung &#8211;&nbsp; und wir mit ihm, ber\u00fchrt von den Abgr\u00fcnden des Emotionssprektrums, dessen Zeugen wir wurden.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Was Christos Nicopoulos da mit einfachsten Mitteln auf die B\u00fchne bringt, ist stark. Die Reduziertheit des B\u00fchnenbilds wirkt im Kontext des thebanischen settings nahezu archaisch, die Form st\u00fctzt den Inhalt: Es geht um die essentials, um Ethik, Moral und Werte \u2013 und die kommen ganz ohne Tam Tam oder special effects aus.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Drei Schauspieler, die nach antiker Tradition auch die Frauenrollen spielen, &#8211; mehr braucht es nicht, um des Sophokle\u015b St\u00fcck lebendig werden zu lassen und uns nach Theben zu beamen. Beeindruckend, wie das St\u00fcck so ganz ohne gro\u00dfes Bohei an die Radix geht, bewegend ist, erschreckend, verst\u00f6rend und echt. Weniger ist mehr &#8211;&nbsp; der Fokus liegt auf dem wirklich Wichtigen: auf den Folgen menschlicher Verblendung und auf Antigone als Reflexionsfolie, die uns modellhaft daran erinnert, dass es Mut und Entschlossenheit kostet, um f\u00fcr seine \u00dcberzeugungen einzustehen \u2013 und in ihrem Fall \u2013 das Leben.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Solche Modelle sind wichtig, richten sie doch wie in einem Brennglas einen kritischen Blick auch auf die eigene Haltung und regen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zum Nachdenken dar\u00fcber an, was f\u00fcr sie Leitfaden und Richtschnur sein kann, auch wenn es im Alltag zum Gl\u00fcck nicht immer so dramatisch wie in der Trag\u00f6die zugeht.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Umso wichtiger erscheint es da, jeden Tag eine reflektierte Perspektive einzunehmen, sich zu bedeutenden Themen aktiv zu verhalten und Werte, wie Moral und Anstand, vom abstrakten Podest herunterzuholen und im Hier und Jetzt lebbar zu machen. Auch daf\u00fcr kann Antigone uns Modell sein.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">So sind unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler tief beeindruckt und begeistert von der Leistung der Schauspieler und dem Sog, den das St\u00fcck schon nach kurzer Zeit entfaltet.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">\u201eWaren das jetzt wirklich schon 100 Minuten?\u201c fragen sie sich, da keine\/r so recht glauben kann, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn einen die Handlung so mitrei\u00dft. Und es f\u00e4llt uns allen schon ein wenig schwer, wieder in die Realit\u00e4t zur\u00fcckzufinden, als wir den Heimweg antreten\u2026<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Und die Moral von der Geschicht\u00b4? Wieder einmal durften wir im HORIZONT Theater ein eindringliches St\u00fcck Schauspielkunst erleben, f\u00fcr das wir dankbar sind, da es wahrhaftig nachwirkt, weil es menschliche Leidenschaften &#8211;&nbsp; also das, was uns umtreibt &#8211; behandelt. Und nicht zuletzt auch daran erinnert, dass es neben Netflix Serien und digitalen devices doch auch noch die Begegnung mit echten Menschen gibt &#8211;&nbsp; auf einer Holzrampe vor den Toren Thebens.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Wir danken daher dem Team des Horizont Theaters f\u00fcr eine tolle und zeitlose Inszenierung und dem Intendanten Christos Nicopoulos f\u00fcr seine interessante und ergiebige Einf\u00fchrung vor der Vorstellung!&nbsp;<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-contrast=\"auto\">Zudem danken wir erneut dem F\u00f6rderverein der Heinrich \u2013 B\u00f6ll &#8211; Gesamtschule f\u00fcr die wiederholte freundliche Unterst\u00fctzung \u2013 sch\u00f6n, dass Ihr uns das erm\u00f6glicht; es ist etwas, das bleibt!<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n<p><span data-ccp-props=\"{}\">&nbsp;<\/span><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem P\u00e4dagogik LK der Q1 in Theben &#8211;&nbsp; \u201eAntigone\u201c Im Horizont Theater&nbsp; Ein Bericht von Anny Papaphilippu&nbsp; Eine Holzrampe, drei Metallelemente, von der Decke herabh\u00e4ngend an groben Stricken, drei Eisenst\u00e4be und eine Schubkarre \u2013 man<a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/hbg-koeln.de\/?p=9508\">Read More&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9508","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9508"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10577,"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9508\/revisions\/10577"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hbg-koeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}